Aber bitte mit Sahne

Aber bitte mit Sahne

Sie treffen sich täglich um viertel nach drei, am Stammtisch im Eck bei den T-Shirts von Mey …

Moment – falscher Text? Warum eigentlich? Was zunächst ein wenig absurd klingen mag, ist weniger abwegig als mancher denkt. Handelsgastronomie befindet sich auch bei uns auf dem Vormarsch, denn immer mehr Unternehmen setzen auf die Kombination von Gastronomie und Einzelhandel, ganz egal ob es sich um Supermärkte, Waren- oder Möbelhäuser handelt.

Warum eigentlich? Ganz einfach, um sich von der Konkurrenz abzuheben, allen voran dem Internet. Der Online-Handel übt ordentlich Druck auf den stationären Handel aus, sodass dieser neue Potentiale für sich entdecken muss, und dabei lautet die wichtigste Parole: Einkauf als Erlebnis! Das, was der traditionelle Einzelhandel dem Internet entgegensetzen kann, sind nicht nur individuelle Beratung und die Möglichkeit, die Ware vor Ort zu sehen und zu probieren, sondern auch das regelrechte Zelebrieren des Einkaufsbummels – und wie könnte man das besser als zu Tisch. Ein leckeres Frühstück mit der besten Freundin als perfekter Start für den Shopping-Marathon, die Kaffeepause mit Kuchen für zwischendurch, oder doch das Abendessen mit dem Partner nach einem kurzen Feierabend-Einkaufsbummel. Shopping geht in Zukunft definitiv durch den Magen.

Die Vorteile scheinen auf der Hand zu liegen. Die Kundschaft hat einen Grund mehr, ein Geschäft aufzusuchen – und seien wir ehrlich, Essen ist ein verdammt guter Grund. Ein kleiner Snack oder ein schneller Drink geht immer. Aber neben der Kundenfrequenz kann sich durch ein gastronomisches Angebot besonders auch die Verweildauer erhöhen. Der eine oder andere Kunde braucht vielleicht einen Espresso, oder zwei, um über den Kauf eines neuen Bademantels zu meditieren. Eine Kundin, die beim Frühstück mit ihrer Tochter in einer Boutique sitzt, erspäht hinter dieser vielleicht genau das, was sie gesucht hat – ein gewisser Blickwinkel kann manchmal ganz entscheidend sein. Und was ist besser, als nach einem erfolgreichen Einkauf mit einem Glas Wein anzustoßen. Wohlfühl-Shopping heißt die Devise.

Auch an Giganten wie H&M geht der Trend nicht vorbei, hat die skandinavischer Modekette doch die Berliner und Münchner Filialen ihrer Premiummarke Arket mit Cafés ausgestattet. Warum auch nicht? Ikea lebt uns dies schon seit Jahren mit Köttbullar und Hot Dogs vor. Mehr als 33.000 Super- und Baumärkte, Möbelhäuser und Textilgeschäfte bieten in Deutschland neben ihrem herkömmlichen auch ein gastronomisches Angebot an.

Es gilt also, sich nicht nur mit den jüngsten Modetrends auszukennen, sondern auch auf die kulinarischen Vorlieben der Kundschaft Rücksicht zu nehmen. Bio- und Regionalprodukte sind dabei klar vorne dabei. Nachhaltigkeit sowie auch Gesundheit spielen eine große Rolle bei der Aufstellung des Menüs, welches aber in jedem Fall zum Gesamtprofil des Einzelhändlers passen sollte. Die Integration von Gastronomie im Einzelhandel steigert dessen Attraktivität und verschafft ihm einen einmaligen Vorteil gegenüber dem Onlinegeschäft. Denn auch wenn Mathilde, Ottilie, Marie und Liliane heute digital einkaufen oder kommunizieren können, zusammen einkaufen und sich anschließend an Buttercremetorte, Bienenstich und Schwarzwälder Kirsch gütlich tun können sie im Internet nicht.

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